Stecker, Creolen, Ohrhänger, Ear Cuff: Die Begriffe für Ohrschmuck werden im Alltag munter durcheinandergeworfen. Dabei beschreibt jede Ohrringart eine andere Konstruktion – und die entscheidet, wie ein Paar sitzt, wie schwer es sich anfühlt und ob man überhaupt ein Ohrloch braucht. Der Überblick.
Ohrstecker
Ein kurzer gerader Stift wird durch das Ohrloch geschoben und hinten mit einem Verschluss gesichert. Der Schmuckteil liegt flach am Ohrläppchen auf und bewegt sich nicht mit.
Passt, wenn: es unauffällig sein soll, im Job, beim Sport, für das zweite und dritte Ohrloch und für die Nacht. Nachteil: Der Verschluss ist ein Druckpunkt, und kleine Stecker gehen von allen Ohrringarten am häufigsten verloren.
Creolen
Der Ring, der durch das Ohrloch führt und sich selbst wieder schließt. Die Spannweite ist groß: von der eng anliegenden Mini-Creole bis zum handtellergroßen Reif.
Passt, wenn: ein Paar den Gesichtsrahmen betonen soll und robust sein muss. Nachteil: Große Creolen bleiben an Schals, Pullis und Haaren hängen und werden ab einem gewissen Durchmesser spürbar schwer.
Ohrhänger
Alles, was unterhalb des Ohrläppchens frei hängt und sich beim Gehen mitbewegt. Die Länge reicht von wenigen Zentimetern bis auf Schulterhöhe.
Passt, wenn: ein Paar auffallen und Bewegung ins Gesicht bringen soll. Nachteil: Das Gewicht entscheidet über den Tragekomfort – nicht die Größe. Ein großes Paar aus Acryl- oder Glasperlen trägt sich stundenlang angenehmer als ein kleines massives aus Metall.
Alle emori Paare sind Ohrhänger an Sterlingsilber-Haken, bewusst leicht gebaut.
Ohrclips
Klemmen sich per Federmechanismus von beiden Seiten ans Ohrläppchen und brauchen kein Ohrloch.
Passt, wenn: keine Ohrlöcher vorhanden sind, ein frisches Ohrloch noch nicht belastbar ist oder man Ohrringe nur gelegentlich trägt. Nachteil: Nach einigen Stunden wird der Druck spürbar. Modelle mit verstellbarer Schraube sind hier deutlich angenehmer als reine Federclips.
Ohrklemme, Ear Cuff und Ohrstulpe
Diese drei Begriffe meinen weitgehend dasselbe: Schmuck, der von außen auf die Ohrkante geklemmt wird, statt durch ein Loch zu gehen. Die Ohrklemme ist meist ein schmaler Ring am Knorpelrand, die Ohrstulpe die breitere Variante, die ein größeres Stück der Ohrmuschel umfasst.
Passt, wenn: man den Look mehrerer Piercings möchte, ohne stechen zu lassen, oder ein bestehendes Paar ergänzen will. Nachteil: Sitzt nicht bei jeder Ohrform gleich fest, und zu straffe Modelle drücken auf den Knorpel.
Ear Climber
Ein längliches Schmuckstück, das im Ohrläppchen befestigt wird und von dort an der Ohrkante nach oben verläuft. Es braucht nur ein einziges gewöhnliches Ohrloch, sieht aber aus wie eine Reihe mehrerer Piercings.
Passt, wenn: es grafisch und modern wirken soll. Nachteil: Die Form muss zur Ohrkrümmung passen – hier lohnt Anprobieren mehr als bei jeder anderen Ohrringart.
Ohrjacke
Zweiteilig aufgebaut: vorn ein Stecker, hinten ein zweites Schmuckelement, das unter dem Ohrläppchen wieder hervorkommt. Von vorn betrachtet umschließt der Schmuck das Läppchen.
Passt, wenn: man aus einem schlichten Stecker abends mehr machen möchte – das hintere Element ist oft abnehmbar. Nachteil: Braucht ein gut verheiltes Ohrloch, weil zwei Teile aufeinander sitzen.
Durchzieher
Eine feine Kette oder ein dünner Stab, der durch das Ohrloch gezogen wird und auf beiden Seiten frei hängt – ohne Verschluss, allein durch Reibung gehalten.
Passt, wenn: es sehr leicht und minimalistisch sein soll. Nachteil: Ohne Sicherung kann er durchrutschen, besonders bei größeren Ohrlöchern.
Die Verschlussarten – der Teil, der über den Tragekomfort entscheidet
Zwei Ohrhänger können identisch aussehen und sich völlig unterschiedlich tragen, weil oben etwas anderes sitzt. Die gängigsten Varianten:
- Ohrhaken. Ein einfach gebogener Draht, der durch das Ohrloch gleitet. Federleicht, in einer Sekunde an- und abgelegt, kein Mechanismus, der klemmen kann. Die Kehrseite: Er kann herausrutschen, wenn man hängen bleibt. Ein kleiner transparenter Stopper von hinten löst das.
- Brisur. Auch Klappbrisur oder Leverback genannt: ein Haken mit einem Bügel, der hinter dem Ohrläppchen einrastet. Die sicherste Lösung für hängende Ohrringe und deshalb bei schwereren Paaren verbreitet. Etwas mehr Material am Ohr als beim reinen Haken.
- Schmetterlingsverschluss. Der Standard bei Steckern – der geflügelte Stopper, der von hinten aufgeschoben wird. Weit verbreitet, aber er leiert mit der Zeit aus und hält dann schlechter.
- Schraubverschluss. Wird auf ein Gewinde am Stift gedreht. Am sichersten, aber fummelig – typisch für hochwertige Ohrstecker.
- Klappcreole. Der Reif ist mit einem Scharnier aufklappbar und rastet ein. Bequemer als das Einfädeln, das eine klassische Creole verlangt.
Welche Ohrringart passt wann?
- Kein Ohrloch: Ohrclips, Ohrklemme oder Ear Cuff.
- Frisches oder empfindliches Ohrloch: leichte Stecker aus massivem Material, kein zusätzliches Gewicht.
- Ganzer Arbeitstag: kleine Creolen oder flache Stecker.
- Abends und für Fotos: Ohrhänger – am angenehmsten aus leichtem Material an Haken oder Brisur.
- Mehrere Löcher kombinieren: ein größeres Teil unten, kleine Stecker darüber.
Kurz zusammengefasst
Die Ohrringart beschreibt, wie ein Paar am Ohr befestigt wird – nicht, wie es aussieht. Stecker liegen auf, Creolen umschließen, Ohrhänger bewegen sich, Clips und Ear Cuffs kommen ohne Ohrloch aus. Und weil der Verschluss über den Tragekomfort mitentscheidet, lohnt der Blick auf Haken, Brisur oder Schraubverschluss oft mehr als der auf die Größe.